Bodenrichtwert

Grundstückswert BRW
Verkehrswert Sachwertverfahren Ertragswertverfahren Wertermittlung Grund und Boden

Der Bodenrichtwert ist ein amtlicher, durchschnittlicher Lagewert für den Boden, ausgedrückt in Euro pro Quadratmeter (€/m²). Er dient als Orientierungswert für die Wertermittlung von Grundstücken und wird von den Gutachterausschüssen für Grundstückswerte ermittelt.

  1. Grundlage der Ermittlung:

      • Die Bodenrichtwerte werden auf Basis der Kaufpreissammlungen der Gutachterausschüsse ermittelt. Das bedeutet, es werden tatsächliche, in der Vergangenheit erzielte Kaufpreise von vergleichbaren Grundstücken in einer bestimmten Zone ausgewertet.
      • Die Ermittlung erfolgt flächendeckend und wird mindestens alle zwei Jahre zu einem Stichtag (meist 31. Dezember oder 1. Januar) aktualisiert.
      • In bebauten Gebieten wird der Bodenrichtwert so ermittelt, als wäre der Boden unbebaut (fiktiv). Das heißt, der Wert des Gebäudes ist im Bodenrichtwert nicht enthalten.
  2. Referenzgrundstück („Bodenrichtwertgrundstück“):

    • Der Bodenrichtwert bezieht sich auf ein fiktives, typisches Grundstück innerhalb einer sogenannten Bodenrichtwertzone. Diese Zonen fassen Grundstücke mit ähnlichen Nutzungs- und Wertverhältnissen zusammen (z.B. reines Wohngebiet, Gewerbegebiet, landwirtschaftliche Fläche).
    • Die Eigenschaften dieses Referenzgrundstücks (z.B. Art der Bebauung, Grundstücksgröße, Erschließungszustand) sind für die jeweilige Zone definiert.
  3. Bedeutung und Zweck:

    • Transparenz auf dem Immobilienmarkt: Er soll eine gewisse Transparenz über die Preisentwicklung von Grund und Boden schaffen.
    • Orientierungshilfe: Er dient als wichtige Orientierung für Käufer und Verkäufer von Grundstücken und Immobilien, um eine erste Einschätzung des Bodenwerts zu erhalten.
    • Steuerliche Zwecke: Das Finanzamt nutzt den Bodenrichtwert als eine Grundlage für die Berechnung der Grundsteuer (insbesondere nach der Grundsteuerreform) und bei der Ermittlung von Erbschafts- und Schenkungssteuern.
    • Wertermittlung: Für Immobiliengutachter ist der Bodenrichtwert eine wichtige Rechengröße bei der Ermittlung des Verkehrswertes (Marktwertes) einer Immobilie, insbesondere im Rahmen des Sachwertverfahrens oder des Ertragswertverfahrens.
  4. Was der Bodenrichtwert nicht ist:

    • Kein Verkehrswert: Der Bodenrichtwert ist nicht der tatsächliche Verkehrswert (Marktwert) eines individuellen Grundstücks. Er ist ein Durchschnittswert für eine Zone.
    • Individuelle Abweichungen: Der tatsächliche Wert eines spezifischen Grundstücks kann erheblich vom Bodenrichtwert abweichen. Faktoren wie die genaue Lage innerhalb der Zone, die tatsächliche Grundstücksgröße und -form, der konkrete Bebauungszustand, etwaige Altlasten, besondere Rechte (z.B. Wegerechte) oder die individuelle Bepflanzung können zu Zu- oder Abschlägen führen.
    • Keine Garantie für den Kaufpreis: Der Bodenrichtwert ist eine statistische Größe aus der Vergangenheit und bildet lediglich eine Tendenz der Grundstückspreise ab, nicht den aktuell erzielbaren Kaufpreis.
  5. Wie man Bodenrichtwerte einsehen kann:

    • Die Bodenrichtwerte sind öffentlich zugänglich. In Deutschland stellen die Bundesländer diese Informationen in der Regel über Online-Portale bereit, die oft den Namen „BORIS“ (Bodenrichtwertinformationssystem) tragen, z.B. BORIS.Saarland.
    • Sie können auch bei den Geschäftsstellen der örtlichen Gutachterausschüsse für Grundstückswerte oder den zuständigen Kataster- und Vermessungsämtern erfragt werden.

Zusammenfassend ist der Bodenrichtwert ein wichtiges Instrument zur Wertermittlung von Grundstücken und zur Schaffung von Transparenz auf dem Immobilienmarkt, das jedoch stets im Kontext der individuellen Merkmale eines Grundstücks und der aktuellen Marktlage interpretiert werden sollte.

Ihr lokaler Immobilienmakler

Sachs Immobilien St. Ingbert

www.sachs-immo.de

 

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